Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Witzischkeit kennt keine Grenzen

6 Kommentare

Man kann über DFB-Funktionäre denken oder sagen, was man will – kreativ sind sie ja, und das nicht nur, wenn originelle Ideen zur Geldbeschaffung und –verteilung, beispielsweise im Zuge von WM-Bewerbungen gefragt sind. Auch und gerade die von sogenannten Verbandskritikern wahlweise als intransparent oder willkürlich verleumdeten Kriterien der Strafbemessung gegenüber „straffällig“ gewordenen Vereinen sorgen häufig für eine Mischung aus Erstaunen und Heiterkeit. Na ja, eigentlich können die Vereine selbst oftmals gar nicht so viel dafür (sprich: dagegen tun), sondern eher Teile ihrer Anhängerschaft, aber wen juckt das schon, schließlich gilt es, Konsequenz und unnachsichtige Härte zu demonstrieren. Oh, großer Deutscher Fußballbund, deine Allmacht wird nur noch von deiner Rätselhaftigkeit übertroffen.

Wenn das Urteil gefällt ist und Rechtskraft erlangt hat, bleibt dem betroffenen Verein nur noch, geeignete Wege zu suchen, um dessen Folgen und wirtschaftliche Auswirkungen einigermaßen zu mildern. Der F.C. Hansa, dem zum Auftakt der Rückrunde kommende Woche gegen Jahn Regensburg ein kompletter Zuschauerausschluss auferlegt wurde, bietet beispielsweise „Mit dem Herzen dabei“-Tickets an, deren Käufer Fotos einsenden können, die am Spieltag an Tribünensitzen befestigt werden soll(t)en, so dass diese Fans indirekt doch bei ihrer Mannschaft sein können. Aber da hat der Verein die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Natürlich kann Gottes eigener Verband nicht einfach hinnehmen, dass sein unfehlbares Urteil in Frage gestellt wird, und sei es auch nur ansatzweise mit ein paar harmlosen Bildchen. Es muss doch möglich sein, das zu verhindern, irgendeine vorgeschobene Begründung wird sich doch finden lassen. Warum? Ganz einfach, weil sie es können.

Und da ist auch schon die zündende Idee: Auf einem hermetisch abgeriegelten Hinterhof an der Otto-Fleck-Schneise wiederholt Johannes B. Kerner seine legendäre Feuerprobe aus der Sendung „Hart aber fair“ vom 21. Mai 2012. Das Ergebnis ist erschütternd: Papier brennt noch schneller und besser als Schaufensterpuppen in Kindergröße. Ein Aufschrei hallt durch die Flure: Sind die komplett wahnsinnig?! DENKT DENN IN ROSTOCK KEINER AN DIE FOTOS?! Dagegen muss man etwas tun. Schreib denen mal jemand, „… dass die Fotos eine erhebliche Brandlast darstellen können und eine Zustimmung der zuständigen Sicherheitsträger …“* nötig ist.

Dank moderner Schreib- und Übermittlungstechnik im 21. Jahrhundert sieht man dem quasi amtlichen Schreiben nicht an, wie dem Praktikanten beim Tippen vor Lachen die Hand gezittert hat: In your face, Hansa! Aber womit in Frankfurt offenbar niemand ernsthaft rechnet, tritt ein. Dem Verein ist es tatsächlich nicht zu blöd, besagte Zustimmung zu beschaffen, hier der Ausschnitt aus einem Telefonat:

Hansa: „Du, Rostocker Feuerwehr, wir wollen ein paar Fotos auf der leeren Tribüne an die Sitze kleben, haben aber panische Angst vor einer spontanen Selbstentzündung.“

Feuerwehr (denkt: Haben die Rote Brause geschnüffelt? Was für ein Unsinn. Kann ich aber so nicht sagen, dann eben in Amtsdeutsch): „Da jegliche Zündquelle unter den gegebenen Bedingungen ausgeschlossen werden kann und von Ihrer Seite der Ordnungsdienst (Feuerlöschtrupp) vorgehalten wird, bestehen keine Bedenken zur Durchführung der dargestellten Maßnahme.“*

Nun steht der kleinen Fotoaktion (es sind übrigens noch Aufnahmen der Spieler mit einzelnen Fanfotos als persönliche Erinnerungsstücke vorgesehen) nichts mehr im Wege, sollte man meinen. Wäre da nicht die nach wie vor bedrohte Unantastbarkeit des Frankfurter Ratsschlusses. Was erlauben Rostock?! Zum Glück sind wir beim Fußball: Wenn du denkst, es geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Jurist daher, und davon hat der DFB ja nun wirklich jede Menge, ich habe mitunter den Eindruck, die Verteidigung gewinnt vor Gericht mehr Bedeutung als auf dem Platz.

Klare Ansage an Hansa: Ihr könnt das Ganze vergessen, da „… die Fotoaktion nicht dem Sanktionszweck des Urteils entspricht … , wonach beim Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit Banner, Plakate und Transparente in Tribünenbereichen verboten sind.“* Oder kurz und knackig: Isso! Und selbst, wenn ihr Passfotos nehmt – was Banner, Plakate und Transparente sind, bestimmen immer noch wir!

Hansa will die Bilder nun während des Spiels über die Videowall laufen lassen. Da lässt sich doch bestimmt auch noch etwas finden, oder? Muss aber schnell gehen, denn erstens ist das Spiel schon in einer Woche, und zweitens haben wir seit gestern eine EM-Bewerbung laufen, da haben unsere Advokaten wirklich wichtigeres zu tun, als alberne Ausreden für renitente unterklassige Vereine an den Haaren herbei zu ziehen.

* Zitat aus Pressemitteilung des F.C. Hansa Rostock vom 21.01.2017

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6 Kommentare zu “Witzischkeit kennt keine Grenzen

  1. Hahaha, ick hau mir wech.

    eiserne Grüße aus Berlin

  2. Herrlich geschrieben. made my day.

  3. der DFB ist und bleibt nur Peinlich !!! das Urteil hätten Sie mal bei Bayern München machen sollen die hätten den ein Vogel gezeigt !!

  4. Pingback: Die Offensive trifft: Polter und Skrzybski mit Treffern im Test gegen Prag | ***textilvergehen***

  5. Pingback: Versatile Blogger Award – Add2Fam

  6. Hätte man statt Fotos nicht Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Figuren unter dem Motto „Mit dem Herzen dabei“ verkaufen und auf die Sitze stellen können? Von wegen jetzt erst recht und so…

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