Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

Immer wieder Probstheida

2 Kommentare

Zwei Wochen sind nun schon vergangen seit dem Saisonende der 3. Liga. Zwei Wochen ohne Stadionbesuch – das geht gar nicht!

Da traf es sich gut, dass der letzte Spieltag in der Regionalliga Nordost eine sehr spannende Konstellation am Tabellenende bereithielt: Die vor dem Spieltag auf den Plätzen 12 bis 15 noch vom Abstieg bedrohten Mannschaften trafen in zwei direkten Duellen aufeinander. Babelsberg spielte gegen den ZFC Meuselwitz und die U23 von Hertha BSC empfing den 1. FC Lok Leipzig.

Keine Frage, dass natürlich das Spiel in Berlin den größten Reiz ausstrahlte. Für die Leipziger bot sich die vor wenigen Wochen noch unvorstellbare Chance, mit einem Sieg unabhängig vom Ergebnis des anderen Spiels aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu sichern.

Vor allem fantechnisch hatte diese Begegnung deutlich mehr zu bieten als ein Besuch im „Karli“ oder gar (was auch noch zur Auswahl stand) in Neustrelitz, wo die 2. Mannschaft von Union vom Staffelsieger gründlich den Allerwertesten versohlt bekommen sollte.

In Leipzig war vor dem Spiel ordentlich mobil gemacht worden. Nach dem wie bestellt eingefahrenen Sieg über den möglicherweise noch vom Pokalsieg über die Lok-Freunde in Halle etwas verkaterten 1. FC Magdeburg im vorletzten Spiel gingen im Vorverkauf die aus Berlin geschickten Karten in wenigen Stunden über den Tresen – insgesamt 1500. Zahlreiche Fans reisten darüber hinaus nach Berlin, um sich an der Tageskasse noch eines der restlichen 800 Tickets für den Gästebereich zu sichern.

Insgesamt fanden sich um die 2500 Lok-Anhänger im Amateurstadion des Berliner Olympiaparks ein und sorgten bei insgesamt 3987 Zuschauern (ausverkauft) für ein klares akustisches und optisches Übergewicht in Blau-Gelb. Die Unterstützung der Mannschaft war von Anfang an lautstark und vorbildlich. Dabei würdigten die Lokisten ihren Gegner während des Spiels komplett mit Nichtbeachtung und konzentrierten sich fast ausschließlich auf den Support der eigenen Mannschaft, der nur zweimal für einen kurzen musikalischen Gruß an den ungeliebten Emporkömmling vom Cottaweg unterbrochen wurde. Soviel Zeit musste sein.

Die in weißen Hemden und schwarzen Hosen antretende Mannschaft brauchte etwas mehr Anlaufzeit, um ins Spiel zu finden. Die Spieler wirkten sehr angespannt, beinahe nervös, und es dauerte fast bis zur 30. Minute, bis mal ein Torschuss auf das Berliner Gehäuse zu verzeichnen war, der aber leider nur das Außennetz traf, in Sinsheim hätte es vielleicht was werden können. Danach bemühten sich die Gäste, etwas zielstrebiger auf das gegnerische Tor zu spielen, allerdings weiterhin ohne Erfolg.

Die Gastgeber selbst taten auch nur das nötigste, was aufgrund ihrer fußballerischen Qualität (dass ich das mal über Hertha schreibe!) optisch gefälliger, aber auch kaum zwingend wirkte. So stand es bei Halbzeit 0:0, was den Leipzigern nicht gereicht hätte, aber zumindest noch Hoffnung für die zweite Hälfte ließ.

Nach der Pause erschienen die Gäste etwas früher als Gegner und Schiedsrichter wieder auf dem Platz, wohl auch um zu signalisieren, dass sie sich noch längst nicht aufgegeben hatten und nun konzentriert den Erfolg suchen wollten. Leider passierte jedoch nach knapp 10 Minuten das Gegenteil, Hertha ging mit 1:0 in Führung.

Lok verstärkte nun – lautstark angefeuert von den Rängen – noch einmal seine Bemühungen und kam eine Viertelstunde vor Spielende zum verdienten Ausgleich. In den letzten 10 Minuten warfen die Probstheidaer dann alles nach vorn, leider fehlte in Tornähe die Präzision beim Abschluss oder der Blick für den besser postierten Mitspieler, der erlösende Siegtreffer wollte nicht fallen.

Die Berliner zeigten zum Ende hin großen Einfallsreichtum, was das Verstreichenlassen wertvoller Sekunden angeht, sei es durch oscarreife Sterbeszenen auf dem Platz oder durch eine Auswechslung, bei der der abzulösende Spieler extra am gegenüberliegenden Ende des Platzes Schwung holt, um den langen Weg bis zur Trainerbank noch zu schaffen, und sich unterwegs noch das eine oder andere Schwätzchen gönnt. Leider bekamen sie dabei auch noch Unterstützung aus dem Gästeblock, aus dem Gegenstände und auch Fackeln auf den Platz geworfen wurden – eine ziemlich blöde Idee, wenn die eigene Mannschaft gerade alles versucht, um irgendwie in letzter Minute doch noch ein Tor zu erzwingen.

So blieb es dann am Ende beim 1:1, was für Lok leider nichts anderes bedeutete als Platz 15 und Abstieg in die Oberliga. Ein trauriger Tag für den Leipziger Fußball, aber nach der überaus schwachen Hinrunde war am Ende wohl doch nicht mehr drin. Ein kleines bisschen Hoffnung besteht aber noch: Sollte die TSG Neustrelitz nächste Woche in der Relegation den Aufstieg in die 3. Liga perfekt machen, bleibt dem FCL der Abstieg erspart.

Hmm – Neustrelitz in Liga 3. So richtig begeistern kann ich mich für den Gedanken, denen auch noch eine Plattform zu bieten nicht. Andererseits – da habe ich jetzt echt mit mir geRUNGEn – eine bessere Gelegenheit, die Pokalschande von 2013 mit zwei überzeugenden Siegen in der Liga wenigstens etwas gerade zu rücken, gibt es für Hansa nicht. Also scheiß auf Neustrelitz, sollen sie meinetwegen aufsteigen.

Nach dem Schlusspfiff gab es dann einen kleinen Platzsturm durch Teile des Gästeanhangs. Der Reporter des MDR erkannt darin wohl, wie irgendwo zu lesen war, den Versuch, ihre traurigen Spieler zu trösten. Ganz bestimmt war es das – und den Heimfans wollte man in ihrem Block bestimmt auch nur sportlich fair gratulieren. Die Situation beruhigte sich dann recht schnell, nachdem die Polizei, die sich bis dahin wohltuend unsichtbar gemacht hatte, auf dem Rasen Präsenz zeigte. Von diesem kleinen Misston abgesehen, war es ein starker Auftritt in Blau-Gelb auf den Rängen.

Was gab es sonst noch Interessantes?

Man kann von Hertha halten, was man will, aber die Currywurst bei den Amateuren ist echt lecker. Auf der Preistafel am Imbiss stand auch noch die verlockende Botschaft „Alcohol Frei“, eine nette Geste an das treue Publikum zum Saisonfinale. Als Kraftfahrer musste ich aber leider auf Cola zurückgreifen, die gab es nicht umsonst.

Ein mir bislang gänzlich unbekanntes Ritual erlebte ich beim Aufwärmprogramm der Berliner. Beim „Einschießen“ wird jedem Spieler, der das Tor trifft, von den anderen applaudiert. Bei Hansa gibt es das ja nicht. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass unsere Spieler vor und während des Spieles gleichermaßen „treffsicher“ sind. Schaut ruhig beim nächsten Spiel im Ostseestadion mal zu, dann wisst ihr Bescheid.

Und dann war da noch Andreas „Zecke“ Neuendorf, der gegen Lok zum letzten Mal das Hertha-Trikot trug. Sein Part als erfahrener Spieler war es, an der Seitenlinie als Rumpelstilzchen alle Schiedsrichterentscheidungen zu kommentieren. Als Anerkennung durfte er dann in der letzten Minute auch nochmal auflaufen und so im Kampf gegen die Uhr den Punkt für seine Mannschaft sichern.

Mal sehen, wohin der weitere Weg der „Loksche“ geht, vielleicht klappt es ja durch die Hintertür Neustrelitz tatsächlich noch mit dem Klassenerhalt. Das würde sich allein schon dafür lohnen, in der neuen Saison dann mal wieder gegen den BFC zu spielen und der historischen Liebesgeschichte Berlin-Leipzig nach Jahrzehnten ein neues Kapitel hinzuzufügen. Es lohnt sich also weiterhin, den sprichwörtlichen Koffer in Berlin zu haben.

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2 Kommentare zu “Immer wieder Probstheida

  1. Wie meinst du das mit „Neustrelitz eine Plattform bieten“ ? Ich würde mich freuen wenn sie es packen würden. Da steigt wenigstens keine zweite Mannschaft auf und noch wichtiger…. Lok bleibt drinn!

    • Der Neustrelitzer Präsident hat kürzlich in einem Interview auf die Frage, ob die TSG ihre Heimspiele nicht auch im Ostseestadion austragen könne, sinngemäß geantwortet, man wolle den gewaltbereiten Rostockern keine Plattform für Randale bieten.
      Daher nun meine Sorge, Neustrelitz eine PLattform zu bieten. 😉

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