Hanseator

Musik, Fußball und manchmal auch ein bisschen Hansa

… und es ward nicht!

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Also erst mal wurde es Licht, und das kam so:

Es ist jetzt ungefähr sechs Jahre her. Es war ein gewöhnlicher Samstagabend im Herbst 2005, ich hatte nichts vor und irrte plan- und ziellos – also so, wie man mich allgemein kennt – in den dunklen Straßen der Landeshauptstadt umher, als mich wie aus dem Nichts plötzlich ein Blitzstrahl traf, der sich als Traktorstrahl entpuppte und meine Schritte direkt zum damaligen Schweriner Thalia lenkte.

Dort fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren – mein Freund und Kollege Christian hatte mir, dem damals bereits (aus seiner Sicht) hoch Betagten schon lange in den Ohren gelegen, unbedingt mal zu Knorkator mitzukommen. Dank fundierter, aus oberflächlichem Medienkonsum gespeister Vorurteile (Das sind doch die Kaputten vom Grand prix, wa?) hatte ich diese Bemühungen bis dahin erfolgreich abgeschmettert, aber nun stand ich plötzlich bei ihrem Konzert auf der Matte.

Reingehen, Karte kaufen und ab ins Obergeschoss, wo ich direkt am Merch-Stand landete, an dem ein Shirt mit der Aufschrift „Ich verachte Jugendliche“ sofort meine ungeteilte Aufmerksamkeit hatte. „Wo sie recht haben, …“, dachte ich im Stillen und besah die Rückseite mit den Tourneedaten von 1963.

NEUNZEHNHUNDERTDREIUNDSECHZIG!!

Mein Geburtsjahr! Das musste ein Zeichen sein! Ich war nicht zufällig hier. Von nun an würde ich mir all ihre Platten besorgen (ok, fast alle – wer noch kein Weihnachtsgeschenk für mich hat, ich brauche noch „Ich hasse Musik“, wenn es geht, die Limited Edition) und, wann immer sich die Gelegenheit bietet, ihre Auftritte verfolgen. Gesagt – getan. Bald war ich Mitglied im Fennklupp und hatte dann Anfang 2007 die große Ehre und Freude, als Gast an der Releaseparty für „Das nächste Album aller Zeiten“ im Berliner Knaack teilzunehmen.

Groß war meine Trauer angesichts der „Auflösung“ Deutschlands meister Band der Welt im Jahre 2008, noch größer die Verzweiflung, keine Karte für die Abschiedskonzerte in der Berliner Columbia-Halle bekommen zu haben. Das konnte doch noch nicht alles gewesen sein! War es auch nicht. Nun, Ende 2011, sollte sich der Kreis schließen, zum Abschluss der Ü77-Tour sollte ich nach drei langen Jahren endlich wieder eines der grandiosen Knorkator-Konzerte erleben.

Wir (mein oben erwähnter Freund Christian und ich) brachen also am frühen Nachmittag des 10. Dezember 2011 auf, um einen der Höhepunkte des Konzertjahres zu zelebrieren. Ein dritter Teilnehmer hatte kurzfristig abgesagt, seine Eintrittskarte aber für einen guten Zweck gespendet – es sollte sicher kein Problem werden, vor Ort noch jemanden damit glücklich zu machen, aber dazu später.

Christian hatte die Idee, vor dem Konzert noch stilvoll irgendwo zu essen, bei seinem letzten USA-Urlaub hatte er „Hooters“ für sich entdeckt und irgendwie lieb gewonnen. Also google-ten wir schnell (ZU schnell, wie wir inzwischen wissen) die Adresse des Berliner Restaurants und ab ging die Post. In Berlin kamen wir dank vergleichsweise bescheidenen Verkehrsaufkommens zügig zur Straße des 17. Juni, wo sich  das Lokal befinden sollte. Ein bisschen seltsam kam es uns dort gleich vor – die monströsen Universitätsgebäude beiderseits einer Speer-mäßigen Prachtstraße luden eher zur Besichtigung einer Militärparade als zum leckeren Essen ein. Weit und breit kein Anzeichen für Hooters zu sehen, nicht mal für eine Currywurst-Bude, auch nach zweimaligem Auf- und Abfahren. So ein Mist, dafür hatte man nun den ganzen Tag gehungert. Also ab zur Columbiahalle, dann nimmt jeder eine Pizza und der Rest des Erlöses aus der dritten Karte wandert eben in die Sprit-Kasse. Übrigens – Hooters gibt es dort schon über ein Jahr nicht mehr.

Am Veranstaltungsort angekommen, wurden wir gleich angesprochen: „Braucht ihr noch Karten?“ Wie, brauchen?! Das Konzert war ausverkauft und es war das letzte der Tour. Wie kann da jemand Karten übrig haben?! (Na na na, wer wird denn im Glashaus mit Steinen werfen?) Dennoch fanden auch wir schnell Interessenten:

Wat wollt ihr denn haben?

Na, was sie gekostet haben. (Anm. d. A.: Es waren mit Vorverkauf und Versand 30 Euro.)

Nee, viel zu viel, ich geb euch 10 Euro.

Nö, dann lassen wir sie lieber verfallen.

OK, 20 Euro!

Wir fragen da vorn erst mal. (Anm. d. A.: Schwerer Fehler!)

Ja, macht mal. *grins*

 

Wir man sich denken kann, gab es „da vorn“ auch nicht mehr, im Gegenteil, da gab es nicht mal Interessierte. Also erst mal Pizza essen und dann gehen wir noch mal zu unserem Interessenten. Die Pizza war lecker, groß und sehr preiswert (falls ihr mal probieren wollt: Pizza Point, Dudenstraße), aber mit zunehmender Sättigung lässt wohl auch die Konzentration nach. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass nach dem Besuch der Pizzeria plötzlich unsere dritte Karte verschwunden war. So ein Mist! Na ja, wir hatten ja gesagt, dass wir sie verfallen lassen. Selbst schuld!

Inzwischen wurde es langsam Zeit, zur Columbiahalle zu gehen. Zum Glück blieb uns die Peinlichkeit erspart, unseren Fast-Kartenabnehmer noch einmal zu treffen. Der Saal war schon sehr gut gefüllt, leider auch der Balkon, von wo aus wir dem bunten Treiben eigentlich in aller Ruhe zusehen wollten, also hieß es Plätze in der dicht stehenden Menge zu finden. Nach nur einer Sekunde hatte ich Christian bereits aus den Augen verloren und so kämpfte ich mich Richtung hintere Saalmitte in die Nähe des Technikpultes, von wo aus ich bei einigermaßen guter Sicht auf die Bühne und relativ geschützt vor nicht altersgerechten Pogo-Einlagen eine grandiose Show erleben durfte.

Das Vorprogramm bestritt … Knorkator. Auf einem großen Bildschirm konnten die erwartungsfrohen Besucher der Band beim Döneressen und Herumalbern zusehen, während rechts oben der Countdown bis zum Konzertbeginn angezeigt wurde. Eine originelle Idee, das Publikum ruhig zu halten, wenn es nicht ganz pünktlich losgeht.

Mit kleiner Verspätung (knapp 20 Minuten) ging es dann aber auch los – und wie. Bei astreinem Sound präsentierte sich die Band in Höchstform. Stumpen sang die ersten beiden Stücke im grünen Ganzkörper-Kondom, Alf verzichtete diesmal zwar auf Prügeleinlagen für die vorderen Reihen, dafür sah es streckenweise so aus, als würde er wirklich echt auf seinen Instrumenten spielen, und Buzz Dee ist einfach nur ein Gitarrengott, dessen Gesang Chaka Khan ziemlich alt aussehen lässt. Und Nick und Rajko lieferten eine solide, dynamische und rhythmisch-kraftvolle  Basis. Bejubelte Gastauftritte der famosen Ally the Fiddle und von Alfs Sohn Tim Tom bildeten das Sahnehäubchen auf eine rundum gelungene Performance.

Weitere Highlights des Abends sind ein Stumpen, der im aufgeblasenen Ballon über die Menge hinweg tobt und dabei „Kurz und klein“ zu singen versucht, und ein neuer Rekord beim Mädchenweitwurf. Fan – tas – tisch!

Nun ist die Tour vorüber – aber im kommenden Jahr gibt es natürlich neue Chancen, Deutschlands meiste Band der Welt zu sehen, zum Beispiel da:

Zitadelle

Also – nichts wie hin!

Hier noch die Setlist vom Konzert:

Knorkator – Ü 77 Tour, Columbiahalle Berlin, 10.12.2011

Der ultimative Mann

Buchstabe

Schwanzlich willkommen

Mich verfolgt meine eigene Scheiße

Eigentum

Ich will nur fickn

Refräng

Du bist schuld

Bleib stehen

Du nich

Arschgesicht (Tim Tom)

Ick wer zun Schwein

Ma Baker

Ain’t nobody

Alter Mann

Konflikt

Ich lass mich klonen

Highway to hell

Kurz und klein

Weg nach unten

Für meine Fans

Auf dem See

Wir werden alle sterben

Böse

Verflucht und zugenäht

Warum

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